Eine Rezension von Roberto De Lapuentes Buch “Auf die faule Haut”
Unbequem! Das ist der erste Gedanke, der dem Leser wohl unwillkürlich in den Sinn kommt, wenn er De Lapuentes Buch erstmalig zur Hand nimmt. So erging es jedenfalls dem Rezensenten, der das Büchlein (es sind ja nur 157 Seiten) zwei Mal – mit einem halben Jahr Abstand – gelesen hat. Und mit “unbequem” ist beileibe nicht nur gemeint, daß die darin enthaltenen Texte dies nun für bestimmte Gruppen dieser Gesellschaft wären. Wer nur das darin zu erkennen vermag, hat weit gefehlt, beschäftigt sich der Autor doch mit unserer ganzen Gesellschaft und ihrer Sprache – also auch mit uns, den Lesern. Ganzer Artikel »
Fernsehen und Radio wiederholen ja gerne mal Sendungen, aber “darf” man das auch in einem Blog? Ich finde schon, zumal wenn es sich um Helmut Qualtingers herausragende Lesung von Karl Kraus’ “Die letzten Tage der Menschheit” handelt. Die wurde meines Erachtens noch zu wenig bei “der Röhre” oder uns gesehen, also MAZ ab für den ersten Teil:
Dieser Dichter von der zartsinnigsten Sorte, wie sie die Liebhaber der Kalenderpoesie und der weichgespülten Weisheiten so schätzen, überlieferte uns in poetischem Überschwang am Ende des Dritten Reiches, er habe die ganze Zeit nur Lobgesang vernommen:
„Was aus Schmerzen kam, war Vorübergang – und mein Ohr vernahm, nichts als Lobgesang.“
Das darf man ihm ruhig glauben, dass die Schmerzen der anderen vorübergehen wie nichts. Ganzer Artikel »
Eine Rezension von Roberto De Lapuentes Buch “Unzugehörig”
Unzugehörig – der Titel ist Programm. Hier schreibt einer, der sich dieser Gesellschaft und ihren Normen nicht zugehörig fühlt, sondern seine Heimat anderswo verortet. Auf rund 175 Seiten polemisiert der Autor sprachgewaltig gegen den täglichen Einheitsbrei, gegen das Wegsehen und die Lethargie. Der 31-jährige Ingolstädter kennt “seinen” Camus, “seinen” Sartre und “seinen” Marcuse und er steigt darüber hinaus – hinab zu den alltäglichen Problemen und Gemeinheiten. In kräftig-derber, zuweilen schon lyrischer Prosa seziert er gnadenlos seine Umwelt und hält ihr einen geschliffenen Spiegel vor Augen. Ganzer Artikel »
Historie, in Erzählseln weitergegeben, kann, so Thomas Bernhard in seiner autobiographischen Schrift „Die Ursache“ immer nur verfälschte Historie sein. Ganzer Artikel »
Ein Mann floh einmal vor seinen Feinden und versteckte sich in einem fernen Berg in einer tiefen Höhle.
Eines Nachts bemerkte der Mann plötzlich einen Teufel, der da umherstrawanzte … Voller Angst erstarrte er und wagte nicht, sich zu mucksen. Ganzer Artikel »
ist eine der spannendsten, bewegendsten und verstörendsten Geschichten der deutschen Literatur. Und sie ist moderner, als die meisten der sich gern tragisch gebenden Literaturen und Bühnenwerke.
Jaroslav Hašeks simulatio-Technik der subversiven Affirmation im Schwejk und anderswo
Er war Mitbegründer der „Partei des Maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze“, die 1911 die Wahlmethoden und Phrasen der damaligen Vorkriegsparteien satirisch kommentierte. In seinen Reden im Prager Lokal „Kravin“ (Kuhstall) forderte er im Namen seiner Partei „vernünftiger Staatsbürger, die sich dessen bewusst sind, dass jeder Radikalismus schadet und dass gesunder Fortschritt nur langsam und allmählich erreicht werden kann“ u.a. die Wiedereinführung der Sklaverei, die Verstaatlichung der Hausmeister und versprach den Wählern der Partei ein Taschenaquarium. Ganzer Artikel »
“Unzugehörig” – der Titel von Roberto de Lapuentes kleiner Sammlung von Blogeinträgen, die sich seit 2008 zu Gott und seiner – von Menschen schlecht eingerichteten – Welt meldeten, ist Programm.
Die Wahl des „Unzugehörig“ lässt offen, wer da spricht. Der Autor über sich und sein Selbstverständnis? Oder ein missvergnügter Leser, der gerade noch an einem „Unzuständig“ vorbeigeschrammt ist? Ganzer Artikel »
ist es zwar nicht, aber ich freue mich darüber, das erste Buch meines Freundes und Kollegen Roberto J. De Lapuente von ad sinistram ankündigen zu dürfen. Um Weihnachten herum erscheint beim Renneritz-Verlag “Unzugehörig – Skizzen, Polemiken & Grotesken” - eine Auswahl von Robertos besten Texten in überarbeiteter Version und der Auto-Anthropophag wird natürlich eine Rezension bringen, die dann wohl unser Kollege Christian fachkundig vornehmen wird.
Wir freuen uns sehr auf Robertos Erstling und wünschen ihm und seinem Verlag recht viele Leser.
…Jeden Werktag bricht Eva sich eine
Bresche, ihre Nahrungsmittel zu pflücken,
während Adam dem natürlichen Dollar nachjagt:
unverschwitzt essen sie zur Abendzeit
beide ihr Brot bräsig-stupiden Geistes. Ganzer Artikel »
Anmerkungen zu E. M. Ciorans “Vom Nachteil, geboren zu sein.” oder: Digitalis, delikat dosiert, ist ein Stärkungsmittel
Man sollte diese und seine anderen Aphorismensammlungen nicht vor dem Einschlafen zu sich nehmen:
Der Aphorismus? Ein Feuer ohne Flamme. Man versteht, dass niemand sich daran wärmen möchte.
Dieses Scheitern ist gerade das Ehrenvolle aller Literatur, ganz gleich was sich das sozialpädagogische Engagement über die Fleischwerdung des Worts in die Tasche lügt. Harriet Beecher-Stowes “Onkel Toms Hütte” hat jedenfalls nicht den Sezessionskrieg angezettelt, und Aubers “Stumme von Portici” nicht das Opernpublikum zur belgischen Revolution aufgestachelt. Ganzer Artikel »
Wie arg es zugeht auf der Welt,
wird auf Kongressen festgestellt.
Man trinkt, man tanzt, man redet froh,
und alles bleibt beim status quo.
[Erich Mühsam]
Vierter Teil des exzessiven Kraus-/Qualtinger-Marathons ;-)
Den “Hausherrn” freut es übrigens sehr, daß ein paar geneigte Leser diese feine Lesung sehr zu goutieren scheinen; “in diesen geistfernen Zeiten” (Hans Wollschläger) ist es schön zu sehen, daß sich zumindest in diesem Blog nicht die “Generation Pisa” herumtreibt :-)
Der großartige Helmut Qualtinger liest aus Karl Kraus’ polemischer Tragödie “Die letzten Tage der Menschheit”, einem Meisterwerk der Beobachtungsgabe und Gesellschaftskritik. Leider ist die Aufzeichnung in zehn Teile unterteilt:
Ein Kurzportrait des Autoren und Musikers Michael Sailer
Michael Sailer ist freier Autor, Musiker, Spaziergänger und vieles mehr. Vor allem aber ist er ein amüsanter Schreiber, ein guter Entertainer und ein charmanter Rezitator. Geboren 1963 in München und in Schwabing lebend, kommt er dem längst ausgestorbenen Typus des Schwabinger Bohemiens und Künstlers zu Beginn des 20. Jahrhunderts ziemlich nahe.
Wiewohl seit fast 30 Jahren als Musiker Mitglied diverser Bands der Münchener Punk- und Alternativszene tätig, ist er doch vor allem als Kolumnist und Buchautor einem breiteren Publikum bekannt geworden. So schreibt er für das Münchener Stadtmagazin In München die Kolumne Belästigungen und für die taz – und vormals in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – seine Kolumne Schwabinger Krawall, beide Kolumnen liegen auch in Buchform vor.
Gerade der Schwabinger Krawall ist es, der so leichtfüßig daherkommt und mit seinen Protagonisten, wie vor allem dem Jackie und dem Hubsi, dem Renato, dem kleinen Fritzi, dem Herrn Reithofer u.a. ein zeitgemäßes “Sittenbild” vom Schwabing der Jahrtausendwende zeichnet. Kritiker und Kommentatoren wie Herbert Rosendorfer schreiben was von:
Selbst der mit Münchner Verhältnissen oder besser Dubiositäten nicht vertraute Leser muß seine helle Freude an den schonungslosen Bösartigkeiten (das ist ein Synonym für Wahrheiten) haben, mit denen Sailer um sich wirft.
Auch die Süddeutsche steht nicht nach:
Sailers Kolumnen sind allerfeinster Stoff und brauchen sich an Sprachwitz, Beobachtungsgabe und Originalität keineswegs zu verstecken vor Erzeugnissen bekannterer Kollegen wie Max Goldt oder Wiglaf Droste.
Daß auch die Junge Welt den Autoren schätzt und ihn im “Erbe von Oskar Maria Graf und Karl Valentin” sieht, mag ich gar nicht weiter erörtern. Das ist ideologisches Gewäsch und keiner weiteren Erwähnung wert. Schon die Lobeshymnen davor stimmen einen ernsthaften Autor wie Michael Sailer wohl eher nachdenklich. “Sage mir, wer dich lobt …“
Michael Sailer ist häufig in Schwabing anzutreffen, vor allem im Vereinsheim, wo er nicht nur Sonntags im Rahmen der Schwabinger Schaumschläger auftritt, sondern auch öfter hinter der Bar zu finden ist. Ansonsten existiert er natürlich auch im Netz. Ihn aber live”zu sehen, ist ein “must” ;-)
[Anm.d.A.: Ich muß gestehen, ich kenne Michi Sailer - und das seit bald 30 Jahren. Insofern kann mir dieser Beitrag also als "Spezlwirtschaft" ausgelegt werden, die er aber nur sehr bedingt ist ...]
Der Titel ist Programm, und wer je Emil Cioran gelesen hat, weiß, was ich meine. Alle anderen sollten sich diesem Manne fernhalten oder ihn nur im heimischen “Giftschrank” verwahren! Die Bekanntschaft mit Ciorans Werk hat mir eine veritable zwanzigjährige Depression eingetragen und ich leide noch heute an den Spätfolgen. Ganzer Artikel »
So verabschiedete sich der wackere Sappeur Woditschka vom braven Soldaten Schwejk, als sie gegen Ende des ersten Bandes auseinandergingen. Der Optimismus, der in diesem simplen Satz anklingt, verrät mir zweierlei: Erstens, daß man damals noch glaubte, daß man Kriege so pünktlich wie seinen Arbeitstag beenden könnte, und daß man zweitens natürlich unbeschadet aus dem großen Völkerschlachten hervorgehen würde. Ganzer Artikel »
Im Vorwort zu diesem Blog habe ich Bezug auf Karl Kraus genommen – nicht umsonst, wie ich finde. Kraus hat ein ganz und gar eigenständiges Werk geschaffen, ein Phänomen der Kultur- und Gesellschaftskritik, wie die Weltliteratur kein ähnliches hat [Zitat Hans Wollschläger], welches seit geraumer Zeit auch online nachzulesen ist: http://corpus1.aac.ac.at/fackel/
Wie ich finde, ein sehr dankenswertes Unterfangen, da Kraus in 37 Jahren mehr als 25.000 “Normal-Seiten” Prosa schuf – Kommentare, Kritiken, Essays, großartige Aphorismen und mehr. Dem geneigten Leser sei hiermit sein Werk an’s Herz gelegt.
Ein Buchtipp dazu: Das “Karl-Kraus-Lesebuch” von Hans Wollschläger, nicht nur beim “Großanbieter” erhältlich ;-)
“Das Leben geht weiter”. Als es erlaubt ist. [Karl Kraus]
P.s.: Und was Canetti – als vormaliger Kraus-”Schüler” – zu seinem ehemaligen “Meister” anmerkte, erörtere ich vielleicht bei Lust & Laune :-D