Von Frank Benedikt
Bobseidank! Trotz emsiger Bemühungen ging der Kelch diesmal an München vorüber. Zu gerne hätten ja Wirtschaft und Politik erneut olympische Spiele nach München geholt, denn sie alle hatten sich etwas davon versprochen. Gesteigerte Umsätze für einige Branchen und die Glorie für ein paar Politiker – das war der Anspruch, der jetzt so simpel abgebügelt wurde. Die Winterspiele 2018 finden in Südkorea, nicht aber in Deutschland statt, auch wenn einem der Gedanke kommen könnte, daß zwischen beiden Ländern ja “nicht so viel Unterschied ist”. Beide Nationen sind Kinder des Kalten Krieges, nicht von ihren Bürgern in mehr oder minder blutigen Kämpfen um Fortschritt geformt, sondern “Demokratien” von Gnaden der USA.
Über diese “Gnade” läßt sich trefflich streiten, denn der einzig halbwegs demokratische Akt war der “Beitritt” der vormaligen DDR zur – nun größeren – Bundesrepublik; abgesehen von der friedlichen “Revolution” der Honecker-Geplagten war da aber sonst auch nicht viel Demokratisches zu vermerken. Die Freiheit, die erhofft wurde, erwies sich nur allzu schnell als Trug – ist es denn Freiheit, wenn Solidarität wegfällt und der Einzelne auf sein Eigentum zurückgeworfen ist? Selbst Stirner hätte das wohl anders gesehen …
Zurück zum Thema: München hat “verloren”, dadurch aber gewonnen. Es werden keine zusätzlichen, aberwitzigen Großprojekte in Stadt und Umland geplant werden, in einer Stadt, die wie die meisten bereits hochverschuldet ist. Auch wird den Touristen nicht noch mehr Raum vor den Ortsansässigen eingeräumt werden, damit auch “alles glänzt”. Diese Stadt, so schön und begehrenswert sie auch sein mag, ist auch eine Stadt der Armut und dagegen gälte es anzukämpfen, nicht aber für weitere hochfliegende Träume.
“Der Führer” hat dem Volk “die Autobahnen geschenkt”, die damalige Stadtregierung – dank Olympia – die U-Bahn – so in etwa kreist es in vielen Köpfen. Daß München vom “Millionendorf” mit Gewalt zu einer “Metropole” gemacht, die Stadt für viele ihrer Bürger zu teuer wurde, das wurde nie angemerkt. Ja, es gibt Armut hier, ja, diese Stadt ist längst nicht mehr an ihren Bewohnern, sondern an lukrativen Touristen ausgerichtet, kurzum: es ist keine Stadt mehr, sondern ein Freizeitpark oder auch ein Stellenangebot für flexible Bürger.
Ich mag das nicht und sage es hoffentlich auch klar, denn: So sehr ich auch Amsterdam und Paris liebe, wird München stets “meine Stadt” sein und ich bin da “dahoam”. Laßt diese Stadt endlich in Ruhe, laßt uns – als Ortsansässige – mal “unseren Kram in Ordnung” bringen. Gern gesehene Gäste werden die meisten von Euch stets sein, aber: “nur privat” ;-)
[fb]







Die Sommerspiele hinterlassen wenigstens partiell noch ein paar nutzbare Sportstätten. Die Winterspiele sind zersiedelt, brauch viel mehr Infrastruktur im Umland (welche man nicht braucht) als die Sommerspiele. Und schon die Sommerspiele sind ein grandioses Verlustgeschäft. Das IOC stösst sich gesund. Die Politik freut sich und die Kommunen bleiben auf den Kosten sitzen. Gut für München, dass Olympia nicht nach Deutschland kommt. Die olympische Heuschrecke zieht weiter.
“Heuschrecke” trifft es in etwa. Ähnlich wie die FIFA sackt das IOC ein, was einzusacken ist, was bleibt, sind Schulden und monströse Baudenkmäler. Mit Sport hat das Ganze höchstens noch am Rande zu tun :-(
Ach Frank, ach Frank… Du schreibst, es gäbe Armut auch in München. Daran ist freilich kein Zweifel. Aber siehst Du denn die Chancen nicht? Wenn die Winterspiele nach München gekommen wären, wäre auch die Armut in München verschwunden. Warum? Weil die Stadt sicherlich Busse zur Verfügung gestellt hätte, die die Armen in Lager verfrachtet hätte, die außerhalb der Stadt liegen, unsichtbar für die Weltöffentlichkeit. So wie man es damals von Atlanta berichtete. Winterspiele beseitigen Armut… naja, ich gebe ja zu: beseitigen Arme!
Oller Miesepeter :-P Die Armen werden furchtbar reich, wenn der olympische Zirkus mit “panem et circenses” Einzug hält. Ein paar dubiose Randexistenzen und ewige Nörgler müssen natürlich vor die Stadt gebracht werden, damit das Bild der “Weltstadt mit Herz” keinen Schaden nimmt. Abgerissene Gestalten, schäbig und abgemagert, sind nun einmal keine gute Visitenkarte für eine Touristenmetropole.
Man informiere sich doch nur einmal, welche Folgewirkungen die Fußball-WM 2010 in Südafrika angerichtet hat. Jawohl, angerichtet.
Auszüge:
“Die Weltmeisterschaft brachte viele Hoffnungen nach Südafrika. 55 Tage nach dem Endspiel zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Falsche Prognosen, überrissene Erwartungen. Während die WM für die FIFA und ihre Partner ein kommerzieller Erfolg war bleibt für die Bevölkerung in Südafrika nicht viel übrig.
- Die Kosten für die südafrikanische Regierung sind um 1709% höher als erwartet – nämlich 39.2 Milliarden Rand (5.5 Milliarden Schweizer Franken) statt 2.3 Milliarden (321 Millionen SFr).
- Statt des prognostizierten Gewinns von 4,9 Milliarden Rand (700 Millionen Franken) resultierte für Südafrika aus der WM ein Netto-Verlust von mindestens 20 Milliarden Rand (2.8 Mia. Sfr.) – bei optimistischen Schätzungen. Die FIFA hat gleichzeitig ihre Einnahmen gegenüber der WM 2006 in Deutschland 2006 um 50 gesteigert. Auf ihren Druck hin hat die südafrikanische Regierung die Gewinne der FIFA und ihrer Partner steuerbefreit. Adrian Lackay, Sprecher der üdafrikanischen Steuerbehörde (South African Revenue Service) meint sogar: “Die Privilegien und Konzessionen, welche wir der FIFA zugestehen mussten, waren schlicht zu hoch und zu erdrückend, als dass für uns monetärer Nutzen hätte entstehen können.”
- Entgegen den Prognosen führte die WM nicht zu neuen, dauerhaften Jobs. Bereits auf Ende Juli 2010 nahm die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr wieder um 4.7% ab. Auf dem Bau gingen zwischen Juni 2009 und Juni 2010 111´000 Jobs verloren.
(…)
- Von den zehn für die WM gebauten oder erweiterten Stadien sind mindestens drei so genannte „White elephants“, d.h. diese Stadien sind viel zu gross und viel zu teuer, als dass sie nach der WM je kostendeckend weiter betrieben werden könnten. Entgegen den Einwänden des südafrikanischen Fussballverbandes und der Vertreter der Fussball- und Cricket-Ligen wurden die Stadien auf der FIFA trotzdem gebaut.
(…)
- In verschiedenen Städten wurden ganze Viertel für die neuen Bauten plattgewalzt. So versuchte beispielsweise die Stadtregierung von Durban auf Druck der Fifa einen 100 Jahre alten Markt abzureissen. Dieser Markt bildet die Haupteinkommensquelle für 10′000 StrassenverkäuferInnen. Gemäss UNO wurden ausserdem mindestens 20′000 Menschen aus ihren Unterkünften in Slumvierteln vertrieben.
Alle diese negativen Folgen der WM sind nicht unvermeidbar – im Gegenteil. Die FIFA hat die südafrikanische Zentralregierungen, die lokalen Verwaltungen und Städte mehrmals massiv unter Druck gesetzt, wenn es beispielsweise um die Steuerbefreiung aller ihrer Gewinne und derer ihrer Partner ging. Sie hätte sich auch dafür einsetzen können, dass mehr von der WM der Bevölkerung zu gute kommt. Schlussendlich setzt die FIFA die Kriterien für die Infrastrukturbauten und die Sponsoring-‐Parner fest.
(…)”
http://www.sah.ch/data/D23807E0/BilanzWM2010-Das%20wichtigste%20im%20Ueberblick.pdf
Wer dies verstanden hat, begreift auch, dass diese ganzen Veranstaltungen hauptsächlich eine gigantische Geldmaschine für die jeweiligen Institutionen sind.
Dank Dir für die aufschlußreiche Info, Lutz.
[...] Polizei beschlagnahmt ‘Dokumente’, die längst online sind, München wird’s nicht und PID soll künftig begrenzt zugelassen [...]
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Was mir heute wichtig erscheint #280…
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Und was ist mit Garmisch und Umgebung? Ich bin froh, dass dort in der Region Werdenfelser Land und Karwendel der Gigantismus ausbleibt. Glückwunsch an die Widerständler.
D’accord :-) Noch mehr verbaute/versaute Landschaft hät’s im Oberland aber wirklich nicht gebraucht. Glücklicherweise haben sich ja einige rechtzeitig dagegen gestemmt und der “Sieg” geht nicht zuletzt auch an sie. Schön auch, daß sich “unser OB” Ude wohl sauba ärgert ;-) Der hat das Bild der Stadt eh schon genug verschandeln lassen …
altautonomer
Als alter Mittenwald, Garmisch/Patenkirchen und Krün Haltmacher auf dem Weg nach Seefeld oder Bozen muss ich sagen das sich da über die Jahre etliches verändert hat und nicht zum Guten. Innsbrucker Str. in Mittenwald zierte früher nur ein Wienerwald Restaurant am Hang ..heute Pensionen soweit das Auge reicht und auf der Bergseite des Inn auch nur Neu/Prachtbauten .Wallgau ist auch nicht wieder zu erkennen …Wir sind die Gegend seit den frühen 80 bis Mitte 90 abgefahren fast 20 Jahre .. auch München mit seiner Vertunnelung … ne schön ist was anderes . ;-)
Hi Frank .. da bin ich bei dir,gut das der Kelch an München vorbei gegangen ist .. da werden sich ein paar Spekulanten ärgern ..Recht so Muhahahhaa
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Schad, daß wir uns da nicht einfach mal über’n Weg gelaufen sind und ein paar Biergärten unsicher gemacht haben ;-) Mittlerweile kostet der ganze Spaß in Euro mehr als das Doppelte und die Gemütlichkeit ist auch dahin. Von der Silhouette der Stadt ganz zu schweigen …
Ride safe
Frank
Lazarus09: Stimme zu. Gerade um Mittenwald herum macht sich eine Disneylandisierung des sensiblen Alpenraumes bemerkbar: Geisterklamm, Fernrohr an der Bergstation der Karwendelbahn, Geplanter Golfplatz auf den Buckelwiesen, Barfusswanderweg auf dem Kranzberg, geplantes Fünfsternehotel auf dem Gundstück des jetzigen Spassbades im Zentrum, für 10 Mio. Euro die neue Skisprungschanze in Garmisch, die nur zum Neujahrsspringen effektiv genutzt wird usw., dazu Schließung der Post, und Einstellung es DB-Service in Mittenwald. Bei den Events wie Karwendellauf und Mountainbike-Transalp-Challenge bin ich gespalten. Das sind ja “nur” einmalige Ereignisse im Jahr. Bin seit über 30 Jahren im Sommer regelmäßig in Scharnitz oder Mittenwald und habe die kleinen und großen Veränderungen sehr wohl registriert. Die olympischen Spiele 2018 wären der ökologische Gnadenstoß für diese Region gewesen.
Aber – Lazarus09, es gibt auch Widerstand: http://www.jetz-werds-eng.de/index1.htm Sehr gute Webseite.
Sehr gut. Lebst Du in Bayern? Kommt mir fast so vor ;-)
altautonomer
Hey .. Alte Herren hier .Muhahahahaa Scharnitz ist(hoffentlich noch) auch nett. Ich war das letzte mal 2002 da dann halt nach UK und die Insel unsicher gemacht ;-) In Mittenwald hat das schon angefangen wie sie den Untermarkt betoniert (Bach begradigt und überdacht )und zur Fußgängerzone gemacht hatten.Schade ..Kommerz eben überall.
Und überall nur noch NOBEL statt gediegen ..zum kotzen!
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