Pro domo et mundo

Aus für den “commentarist”?

Von vielen Kolleginnen und Kollegen in der Nachbarschaft anscheinend noch gar nicht richtig wahrgenommen, scheint das neue Meinungsportal commentarist.de bereits wieder vor dem Aus zu stehen. Drohende Rechtsstreitigkeiten mit zwei deutschen Verlagen erzwangen die vorläufige Abschaltung des Portals.

Erst sah es aus wie eine weitere Bereicherung der Meinungslandschaft, nun könnte es ein weiteres Fallbeispiel für die rigide Rechteverwaltung zu Lasten der Meinungsfreiheit werden: Das Meinungsportal commentarist.de, das nach einer sehr erfolgreichen Betaphase erst im Januar für alle Interessierten seine Pforten öffnete, sah sich nach einer Drohung mit “massiven rechtlichen Schritten” seitens zweier Verlagshäuser gezwungen, den Betrieb einstweilen einzustellen.

commentarist.de ist ein Aggregator, der laut eigener Aussage “tagesaktuelle Kommentare & Kolumnen von mehr als 1000 Journalisten” nach Themenschwerpunkten zusammenfasst und kostenlos allen Interessenten zur Verfügung stellt. Damit ist dieses Angebot, gerade auch wegen seiner Übersichtlichkeit, nicht nur für den Leser von Interesse, sondern auch ein nützliches Werkzeug für Journalisten, die sich schnell einen Überblick verschaffen wollen. Thematische Gliederung plus Anrisse der wichtigsten “etablierten” Meinungen – dies klingt (und war) erfolgversprechend, aber der Erfolg hat bekanntlich auch seine Neider.

So haben die Süddeutsche und die FAZ augenscheinlich Druck ausgeübt, um dieses Angebot, so denn die Betreiber nicht für die Abdruckrechte an den Textzusammenfassungen/Zitaten zu zahlen willens und fähig sind, aus dem Netz zu entfernen. Wie schon bereits im Falle Perlentaucher wird hier versucht, das lukrative Recht auf geistiges Eigentum über das Recht auf das Zitat und auf öffentliche Information zu stellen – ein für eine öffentliche Gesellschaft unhaltbarer Zustand.

[fb, via RA Markus Kompa]

(Update: Der Spiegelfechter hat jetzt einen ausführlichen Kommentar dazu veröffentlicht.)

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In Medien on 6. Februar 2011 at 11:55

  1. Es wäre sehr schade um die Plattform. Zumal sie mir bis jetzt noch nicht einmal bekannt war. So wurde ich auf sie aufmerksam, weil sie droht abgeschaltet zu werden, ironischer geht es kaum. Ich drück mal feste die Daumen, das es dort doch noch weitergeht.

    LG
    ukst

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    • Das ist ja das Traurige: Manchmal merkt man erst, was man hatte (oder hätte haben können), wenn es weg ist. Wir hier hatten noch nicht mal die Gelegenheit, das Angebot längerfristig zu prüfen und dann gegebenenfalls auch in den “Ticker” zu stellen, damit auch die LeserInnen was davon haben, nein – der Mainstream verteidigt mit Zähnen und Klauen seine Pfründe.
      Einstweilen unabhängig davon, wer die Betreiber eigentlich sind (wir werden dazu sicher noch was erfahren), drücke auch ich ihnen die Daumen, denn ein kostenfreier Überblick in der chaotischen Masse des (Informations-)Überangebots kann nur hilfreich sein.

      Danke für Deine Beteiligung
      Frank

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  2. Meiner Meinung nach sind die Pfründe nur vorgeschoben.
    Was verteidigt wird, ist die Meinungshoheit.

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    • Die “Meinungshoheit” (die ich vorhin auch Jens als einen wesentlichen Aspekt vorschlug) ermöglicht ja eben “die Pfründe”. Ohne Meinungs- und Deutungshoheit kein Umsatz, somit auch kein Profit. “Die” verteidigen das m.E. garantiert nicht, weil sie denken, daß “sie” einfach recht haben ;-) Der Futtertrog ist halt gar so bequem …

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      • Bei der Meinungshoheit geht es nicht direkt um Profit, und auch nicht ums “Recht haben”. Vielmehr geht es darum, gewissen Gedanken und Fragen sowie Informationen von vornherein die Glaubwürdigkeit zu nehmen, z.B. indem sie in die “rechte” oder “linke” Schublade gestellt werden, oder auch “Fakten, Fakten, Fakten” zu schaffen und eben nur die zuzulassen, die dem Gesamt-System aus Politik, Medien, Wirtschaft nicht gefährlich werden können. Und hier fängt es dann an, auch ums Geld zu gehen, aber nicht für die einzelnen Medienhäuser, sondern letztlich geht es dabei um Macht und Machterhalt bzw. Angst vor Machtverlust. Wenn die Bevölkerung immer mehr dazu übergeht, im x-beliebigen Wald-und-Wiesen-Blog ebenso hochwertige Informationen zu finden, wie in den “Qualitätsmedien” (die zudem noch ihre Recherchen-Abteilungen zu Gunsten von wiedergegebenen Agenturmeldungen wegrationalisiert haben, also zentral gesteuert sind!), und diese dann auf einer Seite direkt nebeneinander stehend “aggregiert” werden, dann kann das so nicht stehen bleiben. Denn es könnte sonst zu leicht auffallen, dass sich “Qualitätsmedien” nicht durch Qualität sondern durch eine gewisse Art subtiler Gleichschaltung von den “neuen, alternativen, freie(re)n” Medien abheben. Geld spielt dabei aber die untergeordnete Rolle, es geht um Macht, und auch nicht nur um die Macht der Medienkonzerne, sondern um die Macht derjenigen, die sie momentan ausüben.

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        • Da Deine Argumentation komplexer ist und Zeit für eine ausführliche Antwort benötigt, bist Du mir hoffentlich nicht böse, wenn ich mich vertage und erst die kommenden Tage antworte. Da die Dikussion aber eh nicht brennt, hoffe ich, Du kommst mir da entgegen.

          LG
          Frank

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          • Ich komme Dir nicht nur entgegen – ich benötige sogar überhaupt keine Diskussion. Kann gut sein, dass ich eine weitere Antwort gar nicht mehr lese, weil ich nicht dran denke, reinzuschauen. Kommentare abonnieren geht ja bei diesem Wordpress momentan nicht.
            Macht aber auch nix, denn natürlich habe ich meinen Standpunkt, Du hast Deinen, jeder hat seinen – und deshalb ist eine Diskussion im Grunde sowieso unnötig. Außer, man wollte intolerant sein und das Gegenüber vom eigenen Standpunkt überzeugen. Das war jedoch nicht mein Ansinnen bei diesem Kommentar – ich wollte ihn lediglich darlegen. Was jeder damit macht, bleibt jedem selbst überlassen :-)
            Wenn der Spiegelfechter-Artikel z.B. Gedanken aus meiner Sichtweise auf die Thematik aufgreift, dann freue ich mich, aber brauchen tu ich es nicht. Da es sich dabei auch im Wesentlichen um “Meinung” handelt, kann man da auch ohne Verschwörungstheorien bzw. gegenteilige Theorien zu spinnen, nicht von “Wahrheit” reden, deshalb ist es gleich doppelt unsinnig, darüber zu diskutieren.
            Dennoch danke für das Angebot, und eine gute Nacht! :-)

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    • Da hast du völlig recht!
      sepentina

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  3. Was ich nicht verstehe: die Nachdenkseiten zitieren doch auch, das heißt, sie publizieren meist den Anfang eines Artikels – und setzen dann einen Link zur Quelle.

    Wieso sollte das dann dem commentarist nicht erlaubt sein?

    In England war (ist?) es üblich, wenn man aus einem Werk zitierte, den Autor vorher um Erlaubnis zu fragen. Als ich 1979 im Beckett-Archiv in Reading ein Semester lang arbeitete, gab man mir dann die Adresse von Sam Beckett mit, damit ich ihn um eine Zitiererlaubnis bitte.

    Für mich als Deutscher war das völlig überraschend, da es in wissenschaftlichen Arbeiten in Deutschland üblich ist, einfach zu zitieren.

    Allerdings gab es vor Jahren einen Fall, in dem ein Berliner Student seitenweise Adorno im Netz publizierte, unkommentiert, unbearbeitet und reflexionslos. Das wurde ihm dann von Jan Philip Reemstma untersagt. Gerichtlich.

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    • Das (Deine Frage) trifft das Kernproblem und betrifft uns letzten Endes wohl auf die Dauer alle. Wir sind da dran und würden uns sehr freuen, wenn Du und andere sich da anschließen. Eine breite Diskussion um “Rechte” und was der einzelne da überhaupt noch darf, scheint überfällig und nicht nur den “Experten” und “Medienblogs” zu überlassen.

      Ich selbst plädiere dafür, sich einfach kurz mit dem Autor zu verständigen und ihn/sie dann zu zitieren, so es mehr als drei Sätze sind; ansonsten verlinke ich nur. Ein “Gesamtwerk” sollte aber imho auch nie ohne Einverständnis zitiert werden.

      P.s.: Ich hoffe, Deine Erlaubnis, aus Deiner Arbeit(!) bei uns – unter Verweis – zu zitieren, gilt noch? Auch für Kurts (aka “Roger Beathacker”s) Vermächtnis haben wir explizit eine Erlaubnis eingeholt, da er uns allen viel zu sagen hatte und doch nicht den Raum dafür bekam.

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  4. ich erfuhr grad von einem freund, dass bei wissenschaftlichen publikationen abstracts in einer datenbank veröffentlicht werden, die sind allgemein zugänglich zur information, und dann kan man die publikation kaufen, wenn sie einen interessiert.

    wenn commentarist abstracts von artikeln veröffentlicht, so führen sie doch etwa der SZ leser zu – und zwar zu etwas, was ohnehin im netz ist.

    ich verstehe das verhalten dieser großen zeitungen nicht?

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  5. [...] Schritte” den Stecker gezogen. Die Macher von Commentarist haben ihren Dienst erst einmal pausiert und überlegen sich nun, wie sie weitermachen wollen. Rechtlich befinden sich viele Blogs und [...]

  6. [...] Schritte” den Stecker gezogen. Die Macher von Commentarist haben ihren Dienst erst einmal pausiert und überlegen sich nun, wie sie weitermachen wollen. Rechtlich befinden sich viele Blogs und [...]

  7. [...] Schritte” den Stecker gezogen. Die Macher von Commentarist haben ihren Dienst erst einmal pausiert und überlegen sich nun, wie sie weitermachen wollen. Rechtlich befinden sich viele Blogs und [...]

  8. Mein Vorschlag: In Zukunft derartige Portale im Ausland hosten, Domains nicht in .de, sondern in .info oder .org über Strohmänner registrieren, als Betreiber nicht auffindbar sein – und auf rechtliche Anfechtungen einfach scheißen.

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  9. [...] aufgefallen, hat sie doch – zusammen mit der FAZ – auch den Commentarist zum einstweiligen Schweigen gebracht. Wird diese Zeitung, heutzutage eher: Medium, nun besser? Ich fürchte, nicht. In den frühen [...]