Pro domo et mundo

Schuld sind nicht immer nur die anderen

Von Moritz Steglitz

Flachbildfernseher, iPad, Handy und Auto: Bei allem wollen wir das Beste vom Besten. Mit einer Ausnahme: Essen. Das muss in erster Linie günstig sein und gut aussehen, doch die Qualität unserer Nahrung ist für viele stark in den Hintergrund gerückt. Und so kommt es, dass es uns in vielen Fällen egal ist, wie das Schwein in unserem Schnitzel zu seinen Lebzeiten ernährt wurde oder ob Hühner eng aneinander gepresst in Käfigen leben. Als Legebatterien, die in ihrem ganzen Leben kein einziges Mal das Tageslicht erblicken und Tag für Tag bis zum Rand mit Mischfettsäuren vollgestopft werden.

Ob dieser Tatsachen ist es paradox, ja fast schon belustigend, wie aufgrund des Dioxin-Skandals ein Aufschrei durch Deutschland geht. Plötzlich scheint man beunruhigt darüber, dass giftige Substanzen in die eigene Nahrung gelangt sein könnten. Und man ist sich auch nicht zu schade dafür, sofort auf den Schuldigen zu zeigen: Der Betrieb, der das Fett an die Futtermittelhersteller geliefert hat, und die Futtermittelhersteller, denen es eventuell egal war, welche Fette sie da überhaupt verarbeiteten – Motto: Hauptsache günstig.

Wieder einmal machen es sich die Verbraucher und auch die Politiker einfach. Schuld sind die anderen, wir können nichts dafür. In einigen Fällen mag das auch teilweise oder sogar vollständig zutreffen, aber nichtsdestotrotz liegt das eigentliche Problem nicht bei den Herstellern. Denn selbst wenn die Betriebe alles daran setzen, den größtmöglichen Gewinn zu erzielen und dabei ohne mit der Wimper zu zucken auch nicht vor der Weiterverarbeitung von Giften zurückschrecken – was ich den betreffenden Betrieben im Dioxin-Skandal nicht vorwerfen möchte, bis die Sachlage nicht geklärt ist -, am Ende entscheidet doch der Käufer, ob er auf sorgfältige Ernährung wert legt oder eben nicht.

Und nun kommt der Punkt, an dem sich das Problem ausweitet. Denn es sind nicht nur minderwertige und mit zweifelhaften Methoden hergestellte Eier, Butter, Fleisch oder Milch. Nein, es sind auch die iPads, Autos und Flachbildfernseher. Die Pullover, T-Shirts, Jeans und Socken. Das Blockpapier, der Schreibtisch und der Kleiderschrank. Bei allem wird gespart und dadurch die Herstellung dessen unterstützt, was in den meisten Fällen am schädlichsten ist – für uns genauso wie für die, die es herstellen.

Die meisten von uns hätten genug Geld, um für ein fair gehandeltes und fair produziertes T-Shirt 20-40 Euro auf den Ladentisch zu legen. Die meisten von uns legen stattdessen jedoch 10 Euro auf den Ladentisch und freuen sich über den niedrigen Preis, ohne die Herkunft ihrer Kleidung zu hinterfragen. Die meisten von uns hätten auch genug Geld für biologisches und gesundes Schweinefleisch. Stattdessen kaufen wir eingeschweißte Chemiebomben zum halben Preis. Keiner von uns ist wirklich auf ein Apple iPad angewiesen, keiner benötigt dieses Gerät zum Leben. Doch ein wundersam wirkendes Spielzeug ist uns mehr wert, als ein paar Fabrikarbeiter in China, die sich von den Dächern ihres Arbeitsplatzes stürzen, weil sie dieser geballten Unmenschlichkeit entkommen wollen. Und solange das so ist, solange sind Skandale wie der aktuelle – sollte sich bestätigen, dass es sich dabei um kein Versehen, sondern um finanziell begründeten Betrug handelt – nur Teil einer viel größeren Unmenschlichkeit, an der ich den Verbrauchern die Mit-, wenn nicht sogar die Hauptschuld gebe.

[mst]

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In Meinung, Umwelt on 7. Januar 2011 at 08:52

  1. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob in Zeiten der Lohndrückerei, geschätzten 6-7 Millionen Hartz4-Empfängern, gestiegenen Strom-Gas-und Unterhaltskosten, Praxis- und Krankenhausgebühr, höheren Medikamenten-Zuzuahlungen, der leichten Inflation usw. usf. – die meisten wirklich genug Geld hätten?

    Viele werden einfach zu Mittätern gemacht. Unfreiwillig und ohne böse Absicht. Ich kann es mir nicht leisten nur Bio, Fair-trade-Klamotten usw. einzukaufen. Ich vermute stark, ich bin kein Einzelfall.

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  2. Wenn es denn wirklich so kausal wäre! Der Ansatz ist zwar prinzipiell richtig. Das dann Folgende aber (leider) nicht zwangsläufig.

    Die niedrigen Verkaufspreise (egal, welcher Produkte) beruhen zweifelsfrei auf Extrem-Ausbeutung (in Dritte-Welt-Ländern, aber inzwischen auch immer häufiger auch hier), der Nutzung bedenklicher Rohstoffe oder anderen zweifelhaften Methoden. Da führt kein Weg daran vorbei.

    Wer garantiert aber, dass ein hoher Verkaufspreis nichtdestotrotz solcher Umstände zustande gekommen ist? Unternehmen können unter schlimmsten Bedingungen produzieren lassen und dennoch hohe Endpreise nehmen, um ihre Gewinne noch weiter zu maximieren.

    Der Verbraucher müsste letztendlich jedes einzelne Produkt auf seine Beschaffenheit und sein Zustandekommen lückenlos kontrollieren, um dies auszuschließen. Dies ist schlicht unmöglich. Klar, dafür haben “wir” ja inzwischen verschiedene Verbraucher- und andere Organisationen, die all dies kontrollieren. Aber ist diesen auch immer einfach so zu glauben?

    Selbst Organisationen, denen zurecht Vertrauen entgegen gebracht wird und wurde, verdienen diese das Vertrauen auf immer und ewig? Können sie nicht auch früher oder später “gekauft” werden, um so den Verbraucher- (und Produzenten-)schutz auszuhebeln, wieder im Interesse der Profitmaximierung der Unternehmen?

    Es ist ein Dilemma. Eine wirkliche Lösung habe auch ich nicht parat.

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  3. @epikur: Ich wage trotzdem zu behaupten, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich das leisten könnte. Klar, man müsste eventuell auf den neuen Porsche, das iPad, Sky oder ein drittes Auto verzichten. Aber das sollte eigentlich im Bereich des Machbaren liegen. Natürlich ist es aber richtig, dass man diesen Maßstab nicht an alle anlegen darf – die wenigsten Hart-IV-Empfänger fahren Porsche oder haben Sky und die meisten von ihnen haben größere Probleme, als die Herkunft ihres Essens.

    @Lutz Hausstein: Das sieht man ja vor allem bei großen Markenfirmen, die in den gleichen Fabriken wie KIK oder H&M in Bangladesh produzieren, dann aber im Laden fünfmal soviel für ihre Ware verlangen. Dieses Problem kann in meinen Augen wie gesagt nur mit besagten Organisationen angegangen werden, wobei man hier natürlich unbedingt die Unabhängigkeit der jeweiligen Organisation sicherstellen müsste.

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  4. [...] Flachbildfernseher, iPad, Handy und Auto: Bei allem wollen wir das Beste vom Besten. Mit einer Ausnahme: Essen. Das muss in erster Linie günstig sein und gut aussehen, doch die Qualität unserer Nahrung ist für viele stark in den Hintergrund gerückt. Und so kommt es, dass es uns in vielen Fällen egal ist, wie das Schwein in unserem Schnitzel zu seinen Lebzeiten ernährt wurde oder ob Hühner eng aneinander gepresst in Käfigen leben. Als Legebatterien, die in ihrem ganzen Leben kein einziges Mal das Tageslicht erblicken und Tag für Tag bis zum Rand mit Mischfettsäuren vollgestopft werden. (weiter auf binsenbrenner.de) [...]

  5. [...] Schuld sind nicht immer nur die anderen [...]

  6. tut mir leid, wir verbraucher habens in der hand bzw haben schuld, wenn tiere oder kinder in der 3. welt leiden – dieses argument reicht dem gutsituierten grünwähler, der beim biobauern kauft und jack wolfskin trägt. aber so ist es eben mitnichten. zum einen sind, wie bereits gesagt, immer mehr menschen auf billigprodukte angewiesen, nur um überleben zu können und auch die markenartikler lassen in billiglohnländern produzieren. nur ihre profite sind höher als die der billigheimer. und um diese misstände wirklich zu beheben – die nichtachtung und gnadenlose ausbeutung von mensch und tier- reicht das “gutmenschlich grüne getue” eben nicht aus: da muß für eine radikale veränderung der herrschenden üblen verhältnisse gekämpft werden.

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  7. >>Viele werden einfach zu Mittätern gemacht. Unfreiwillig und ohne böse Absicht. Ich kann es mir nicht leisten nur Bio, Fair-trade-Klamotten usw. einzukaufen. Ich vermute stark, ich bin kein Einzelfall.<<
    Mein Hauswirt kam gestern mit einem Taxi nach Hause. Er hatte überwiegend Produkte von demeter eingekauft. Mein Hauswirt lebt vom Geld seiner Mutter.

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  8. Leute ..ehrlich ich kann den Mist von wegen der Verbraucher will nur billig nicht mehr hoeren,denn :

    Selbst wenn dieser in der Lage ist oder waehre mehr fuer seine Lebensmittel zu bezahlen wer will mir hier weis machen das sich die Mehreinnahmen in Qualitaet und nicht in Profit niederschlagen..?!

    Der Gewinnoptimierungsmaschinismus hat Profit im Fokus ! Ok beim Kleinbauern des ueberlebens willen ..dank beschissener Regulierungen.. beim Grosskonzern der Anleger und Anteilseiger willen.

    Es ist das von Unten nach Oben Verteilungssytem was die einen aus Not die anderen aus Raffgier zu ” Taetern ” werden laesst. Meiner Meinung nach ist einzig und allein die Regierung die Beschwerdeadresse !!

    Das sich die Grossen ,Starken durch Ausbeutung der Schwachen noch mehr bereichern inzwischen mit Hilfe derer die eigentlich fuer soziale Gerechtigkeit einstehen sollten und auch gewaehlt wurden…dafuer …. braucht es keine Regierung oder Staat !

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    • Die Milch, die man direkt beim Bauern auf dem Land kauft, ist ihren Aufpreis qualitativ wert. Der Ed-Hardy-Pullover im Designer-Shop nicht. Hier muss man ganz einfach zu unterscheiden wissen. Ich habe auch im ganzen Beitrag nicht geschrieben, dass wir teure Markenprodukte kaufen müssen. Nein, wir müssen die Produkte kaufen, die niemandem schaden und die sind in den meisten Fällen eben teurer. Und in diesem Fall unterstelle ich niemandem, er denke nur an seinen Profit – viele Bioläden oder Fair-Trade-T-Shirt-Shops können vermutlich selbst kaum von ihren Einnahmen leben.

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  9. Wir sind nicht schuld, weil wir auch auf Qualität statt auf den Preis achten könnten (eine Freiheit, die der Mehrheit unserer Bevölkerung nicht gegeben ist, wie einige meiner Vorredner es schon bemerkten). Wir sind schuld, weil wir uns nicht gegen die Systematik wehren, die wir nicht einmal erkennen, weil wir so feige sind und unterdrückt werden, ohne es überhaupt zu merken: Eine Million in Scheinen ist mehr wert als dieselbe Summe in Menschenleben. So einfach ist das – deshalb kann es einzelnen Staaten nur gut gehen, wenn es vielen anderen so richtig schlecht geht.

    Insgesamt ist dies ein Artikel, der ein nicht zu unterschätzendes Thema in meinen Augen zu oberflächlich anschneidet. Der Kern der Sache wird nicht untersucht, vielmehr wird größtmöglicher Anlass zur Debatte gegeben, was man dem Autor durchaus positiv anrechnen kann.

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    • Ja und nein – es gibt imo schon noch größere Teile der Bevölkerung (wir, die Unterschicht, oder, wenn Du so willst: das Prekariat, sind noch eine Minderheit) und da gäbe es m.E. schon noch etwas Spielraum für ein verantwortungsbewußteres Verbraucherverhalten. Alle Eigenverantwortung auf mangelnde finanzielle Möglichkeiten abwälzen zu wollen, finde ich zu bequem. Da liegen imho sowohl Moritz wie auch einige der Diskutanten falsch, aber ich freue mich, wenn wir hier eine tiefergehende Diskussion hinbekommen sollten.
      Wichtig ist es natürlich auch, unsere generelle Verantwortung, sowie die der Politik und Wirtschaft zu hinterfragen, denn letztendlich ist es diese Diskussion, die wir künftig vermehrt führen sollten.

      BG
      Frank

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    • @Jan: Ich frage mich nur zum wiederholten Male, wo ihr diese unglaubliche Armut in Deutschland zu erkennen glaubt. Vor der Wirtschaftskrise waren 12% der deutschen Bevölkerung armutsgefährdet. Nicht arm. Wie ihr da alle darauf kommt, die Mehrheit der Deutschen könne sich kein Biofleisch leisten, ist mir schleierhaft. Natürlich können sie das. Ich kann das auch. Aber wir tun es einfach nicht. Und Armut bzw. zu wenig Geld ist dafür in den meisten Fällen sicherlich nicht der Grund.

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  10. [...] stellt ist die der Schuld. Einer meiner Bloggerfreunde Moritz meinte in einem Gastbeitrag auf binsenbrenner.de, dass die Schuld sind nicht immer nur die anderen zu tragen haben, sondern der Verbraucher sich [...]

  11. @Moritz:

    Du schreibst:

    ‘Ich wage trotzdem zu behaupten, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich das leisten könnte. Klar, man müsste eventuell auf den neuen Porsche, das iPad, Sky oder ein drittes Auto verzichten. Aber das sollte eigentlich im Bereich des Machbaren liegen.’

    Wieviel Porsche sind in D zugelassen?
    Wieviel iPads wurden hier verkauft?
    Wieviele Teilnehmer hat sky?
    Wieviele haben drei Autos auf sich zugelassen und fahren die auch selber?

    Und wieviel Einwohner hat Deutschland?

    Vor dem Schreiben Kopf einschalten hilft.

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    • Das ist doch lächerlich. Wie viel Smartphones werden in Deutschland genutzt? Wie viel Grundschüler rennen sogar mit Smartphone herum? Und mit Nintendo DS und Playstation Portable sowieso? Wie viel Flachbildschirme stehen in den deutschen Haushälten? Und so weiter und so fort.

      Sich an bestimmten Produkten festzuklammern ist Augenauswischerei. Fakt ist: Ein Großteil der Bevölkerung gibt Geld für Dinge aus, die man nicht zum Leben braucht, ja die das Leben nicht einmal wirklich angenehmer machen.

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  12. Hallo Daniel,
    ich wünschte, das Kommentatorium würde den Gesprächsanlass dazu benützen, von seinem Kopf Gebrauch zu machen.
    Fürchte aber, Pfaffengezänk über die Erbschuld liegt ihnen einfach mehr.

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  13. Sie haben ja schon den „Schuldigen“ ausfindig gemacht: den moralisch verkommenen Konsumenten, der aus purem Materialismus die giftig gefütterten Schweine bestellt hat.

    Allein diese Aussage zeigt, dass Sie meinen Text nicht konzentriert gelesen haben. Ich habe die Unternehmen, Hersteller, meinetwegen auch Kapitalisten nie von der Schuld ausgenommen.

    Wie Sie zur Annahme kommen, 85% der Bevölkerung seien verarmt, kann ich mir auch nicht ganz erklären. Meinen Sie 85% der Bevölkerung, in der 90% der Jugendlichen ein Handy besitzen? Grundschüler rennen heute mit iPhones rum und Sie wollen mir allen Ernstes erklären, deren Eltern hätten kein Geld für Biofleisch?

    Die meisten von uns leben im Wohlstand. Die meisten von uns können es sich eben doch leisten, nicht jeden Euro dreimal umzudrehen, bevor sie ihn ausgeben. “Ohne soziale Transferleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kindergeld wäre fast ein Viertel (24%) der Bevölkerung armutsgefährdet.” => der schlimmste Fall, der bei uns ohne das Prinzip des Sozialstaats einkehren könnte, wäre also, dass 24% armutsgefährdet sind. Nicht, dass sie arm sind.

    Auch weigere ich mich, den Profit an sich zu verurteilen. Aus dem einfachen Grund: Man kann Gewinn erzielen, ohne auszubeuten. Der Kapitalismus ist keine Krankheit, genauso wenig wie der Kommunismus. Und am Ende ist es vermutlich egal, in welchem System wir leben – Menschlichkeit steckt in beiden Systemen, aber die müssen wir auch aus ihnen herausholen, was der Menschheit bis heute noch nie gelungen ist. Und somit habe ich für mich wieder den Schuldigen: Wir, denen die Menschlichkeit insofern egal ist, als dass wir uns über andere stellen. Und das tun wir alle jeden Tag.

    Interessant hierbei finde ich noch: “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.” … wir werfen alle Steine auf die anderen. Wahrscheinlich auch, damit wir unsere eigenen Sünden und Fehler besser ignorieren können.

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  14. @Daniel:
    “Wer nicht genügend Kapital hat, um von dessen Profit zu leben, der ist prinzipiell arm, da auf nichts als seine Arbeitskraft verwiesen.”
    Das mag deine Definition von Armut sein, meine ist es nicht. Was du verlangst, ist ein kommunistisches Schlaraffenland – finde dich damit ab, dass wir in keinem leben und auch damit, dass es vermutlich nie eines auf dieser Erde geben wird. Aber wir leben im Hier und Jetzt und in diesem Fall gilt als arm derjenige, der sich selbst keinen Wohlstand leisten kann. Nicht jedoch derjenige, der für den eigenen Wohlstand arbeiten muss.

    Abgesehen davon: Selbst wenn man deine Definition von Armut anwendet, hätten in diesem Fall eben sogar die meisten Armen genug Geld, um allen oder einem Teil der unter Ausbeutung hergestellten Waren zu entsagen. Es ist also vollkommen irrelevant, wie man den Begriff “Armut” definiert, weil meine Aussage sich an beide Armutsbegriffe anpassen lässt.

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    • Falsch, junger Kollege. “Arme” haben per definitionem eben kein Geld “zu entsagen”. DIESE Diskussion kannst Du aber notfalls auch mit KollegInnen und mir ‘privat’ führen, denn wir alle haben dazu eine Geschichte zu erzählen.

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      • Genau das ist ja auch meine Definition. Nur kommt man damit eben nicht auf einen Armutsanteil von 85%.

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  15. Wenn jeder nur das kaufen würde, was er auch wirklich braucht, müssten wir über diese Probleme gar nicht erst sprechen. Doch dazu müsste jeder erst einmal wissen, WAS er denn braucht und sich nicht immer danach richten, was uns die Wirtschaft als Bedürfnis einredet und “in” ist. Es ist der kleine Unterschied von Brauchen und Haben wollen, der uns irgendwann das Genick brechen wird.

    Wer braucht schon jedes Jahr ein neues Handy? Autos halten bei guter Pflege Jahrzehnte. Wir aber sind so blöd und lassen uns einreden, dass wir mit einem, der neuesten Technik angepassten Auto die Umwelt schützen. Was für ein Irrsinn!

    Moritz hat mit seiner Meinung völlig recht, nur halten wir halt alle lieber dem anderen den Spiegel vor und weigern uns selbst, in den Spiegel, den uns der andere vorhält, hineinzusehen. So werden wir immer wieder in die Falle unseres kleinbürgerlichen Denkens fallen.

    Kommunismus, Kapitalismus, Sozialismus … wann werfen wir endlich diese ganzen Ismen über Bord?

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  16. [...] es wird (noch) streitbarer werden, weiterhin auch kontroverse Beiträge einstellen, die – wie Moritz’ neuer – hoffentlich auch reichlich auf Widerspruch stossen. Die Welt, wie wir sie kannten und [...]

  17. “Diese Ismen” über Bord zu werfen, hieße, uns von jeder Idee, also auch jedem Hinterfragen, jedem näheren Nachdenken loszulösen – das sollten wir also besser lassen.

    Im Grunde ist die individuelle Definition von Armut für diese Diskussion von keiner Relevanz. Fest steht doch, dass jeder lohnabhängige Mensch in gewissen marktwirtschaftlichen Zusammenhängen aufwächst, erzogen wird und eine entsprechende Denklogik entwickelt, die ihm hilft, im System zurechtzukommen. Hierbei ist jeder gemeint, wir halten uns also auch selbst den Spiegel vor. Auch ein Gesellschafts- und Systemkritiker muss schließlich, ich wiederhole damit die Aussagen einiger früherer Kommentatoren, Geld verdienen und mit Geld bezahlen. Wir können uns höchstens geistig von all diesen Zusammenhängen trennen, nicht physisch.

    So ist also – ganz gleich, wer hier jetzt arm ist und wer nicht – die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft (auch hier in Deutschland; es ist die Seite “Arbeit”) durch eine automatisierte Logik dazu “gezwungen”, auf einen bewussten Nahrungsmittelkonsum zu verzichten.

    Zwar könnte die Masse vom einen Tag auf den anderen durch einen rasanten Anstieg der Nachfrage den Preis nämlicher Bio-Produkte senken – das hieße dann aber auch, dass diese Bio-Produkte auf dasselbe Niveau wie alle anderen, herkömmlichen Nahrungsmittel sinken. Die Produktion muss beschleunigt, die Löhne gedrückt werden. So einfach ist das.

    Ich sage es noch einmal: Nicht dem Konsumenten, der in einer zwingenden Relation steht, ist “die Schuld” zuzuweisen – es ist die Systematik, ein komplexes Ineinandergreifen kantiger Zahnräder. Und summa summarum ist es doch ein Privileg wohlhabenderer Leute, die Ernährung auf Bio-Niveau umzustellen.

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  18. @Daniel:
    “Wer nicht genügend Kapital hat, um von dessen Profit zu leben, der ist prinzipiell arm, da auf nichts als seine Arbeitskraft verwiesen.”

    Das laesst sich als letzte Konzequenz 100% unterschreiben !

    Was Menschen passiert die ” nur ” ihre Arbeitskraft als Kapital haben sehen wir doch seit Jahren in Deutschland.
    Mit einem Fingerschnipp ist so ein Leben ruiniert… wird seine arbeitskraft aus irgendeinem Grund nicht mehr gebraucht .. AUS ! Schlimmer noch .. wird er von seinem Staat durch Zwangsmassnahmen gezwungen seine Arbeitskraft zu verschleudern oder gar zu verschenken waehrend sein Arbeitgeber dank ” Staatlicher Sorge ” fette Renditen scheffelt dann .. ist er auch noch geachtet als Aufstocker ,oder ,oder ,oder

    ARM IST JEDER DER IN ABHAENGIGKEIT LEBT …. und nicht in Symbiose !

    Wir sind abhaengig !!! Auf agressieven Besitzanspruechen fusst die Tatsache das kein Mensch mehr frei ueber Grundrecourcen der Erde verfuegen darf.. Nur weil er nicht nur aus Geist nein auch aus einen Koerper besteht wird er falls im falschen Bett geboren zeitlebens einem andern Pacht bezahlen muessen nur um diesen aufzubewahren ! Die Betrachtung laesst sich zurueckverfolgen WOHER eigendlich die Reichen ihren Reichtum haben bis wie sie ihn auf wessen Schultern mehrten bis wie sie ihn gegen jeden Zugriff verteidigten.

    Wie kann es sein das Ertrag aus Arbeit weitaus hoeher besteuert wird als aus Kapital ?

    Das zum Thema arm und wie schnell aus der gutsituierten ” arbeitenden ” Mittelschicht arme von der Presse verhoehnte Schlucker werden in Kurzfassung und zugegeben unvollstaendig.

    Und weil nicht sein kann was nicht sein darf ist man eben “sebst” Schuld und da schliesst sich der Kreis ..selbst Schuld weil der Kunde will nur billig ist FALSCH

    Egal was immer er zahlt er wird immer das Produkt bekommen das mit dem geringstmoeglichen Einsatz den groessten Profit abwirft.

    Auch das der Kunder wiederkommt und Konkurenz spielen bei dem Handel mit Dingen der bilogischen Grundversorgung keine Rolle da alle in trauter Gemeinsamkeit das selben schlechte Produkt verscherbeln,hat doch der Kunde nur die Wahl zwischen minderwertigem Mist aus dem Hause A,B oder C.

    Und nun zur Politik waehlen wir nicht auch da nur Scheisse in rot gruen schwarz oder gelb … recht links egal ????

    HABEN WIR UEBERHAUPT NOCH EINE

    W A H L ???

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  19. Hallo Daniel..

    Jeder der mal im Betriebsrat taetig war … weiss wie die Realitaet aussieht ;-) LEIDER sind 90% aller deiner lieben Mitmenschen egoistische feige wiederliche Kriecher und Kratzfuesse die zu deiner Hinrichtung applaudieren wenn sie glauben sich damit “lieb’ Kind” bei der Obrigkeit zu machen .

    guckst du hier —> Martin Morlock “der Bürgerkriech”
    Das Gedicht trifft’s Googel ist dein Freund ;-)

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  20. [...] hat in seinem Artikel “Schuld sind nicht immer nur die anderen” (erschienen bei Binsenbrenner.de) erneut auf das Thema hingewiesen. Dabei bezog er sich unter anderem auf Lebensmittelskandale, für [...]

  21. @ Moritz Sorry aber mit Ihrer Meinung bin ich gar nicht einverstanden. Ich halte nichts von der Theorie der Erbsünde. Grundsätzlich müssen Lebensmittel giftfrei sein. Auch die Lebensmittel die nicht biologisch erzeugt werden. Denn nicht alle Menschen haben die finanziellen Mittel für Biolebensmittel. Abgesehen davon gibt es gar nicht genügend Kapazitäten für Bio.
    @ Margitta Sorry heutige Automodelle halten keine “Jahrzehnte” mehr. Das mag für Modelle gegolten haben, die in den 30er oder 50er hergestellt worden sind. Aber heute nicht mehr. Abgesehen davon ist Fortschritt nicht per se übel. Die heutigen Automodelle verbrauchen wesentlich weniger Kraftstoff. Was den Spiegel angeht, ich habe kein Problem rein zu schauen.
    Ich mag nur nicht für mit schuldig an dem aktuellen Lebensmittelskandal erklärt werden. Den Schuh zieh ich mir nicht an. Ich bin auch nicht schuldig oder böse auf die Welt gekommen. Das sieht die Kirche nämlich so.
    Und das wirkt bei einigen wohl immer noch nach.

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  22. @Daniel:
    Wenn Sie nicht diskutieren wollen, wieso sind Sie dann hier? Sie geben an, was ich wollen würde und was nicht. Sie sehen einfach nicht den Unterschied: Sie stellen den Kommunismus als einzige Lösung hin, ich tue es nicht. Und statt sich die Mühe zu machen, die Gedankenstruktur, die mich dazu bewegt, zu begreifen (oder meinetwegen auch zu hinterfragen), stempeln Sie sie einfach als falsch ab. Was soll ich jetzt tun? Sagen, dass Sie recht hätten, damit Sie zufrieden sind? Mir jetzt von Ihnen erklären lassen, dass ich keine Argumente mehr hätte? Ich finde es schade, dass es nur wenige Menschen wie Jan gibt, die zwar einer teilweise oder vollkommenen anderen Meinung sein können, aber die ihre Meinung a) nicht als einzig richtigen Weg darstellen und b) auch dem anderen zuhören.

    @???: Um Gottes Willen, bloß nicht falsch verstehen :D
    Lebensmittel müssen giftfrei sein. Aber was ist den die Ursache dafür, dass sie es nicht sind? In meinen Augen diese Preisdrückerei, mit der die Konzerne ihren Gewinn steigern wollen. Und an dieser Preisdrückerei gebe ich wie gesagt auch denjenigen Kunden die Mitschuld, die eigentlich nicht auf Eier aus Legebatterien o.ä. angewiesen sind. Auch halte ich niemanden für schuldig auf die Welt gekommen. Und zum Lebensmittelskandal: Niemand mag schuldig sein. Deswegen gibt es kaum jemanden, der seine Schuld eingesteht. Denken Sie der Chef dieses Konzerns hätte einen Tag nach der Enthüllung auch nur im entferntesten daran gedacht, rauszugehen und den Menschen zu erklären, dass er mächtig illegalen Mist gebaut habe und dafür die gerechte Strafe erhalten müsse?

    Und in dem Punkt stimme ich Ihnen zu: Menschen werden nicht schuldig geboren. Sie werden schuldig ob Ihrer äußeren Umstände, der Gesellschaft. Und wir alle sind Teil dieser Gesellschaft. Und jedes Mal, wenn jemand Amok läuft und alles schreit, man hätte es nicht ahnen können… oder jedes Mal, wenn irgendein Gift in irgendeinem Produkt auftaucht… dann frage ich mich, ob man wirklich nichts ahnen konnte? Oder aber, ob die, die die Möglichkeit dazu gehabt hätten, einfach nichts ahnen wollten?

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  23. @Moritz

    **Und an dieser Preisdrückerei gebe ich wie gesagt auch denjenigen Kunden die Mitschuld, die eigentlich nicht auf Eier aus Legebatterien o.ä. angewiesen sind.**

    Mit Verlaub ich bin nicht ihrer Meinung,auch wenn ich mich wiederhole ..—>

    “Egal was immer er ( der Kunde ) zahlt ( oder zu zahlen in der Lage ist )er wird immer das Produkt bekommen das mit dem geringstmoeglichen Einsatz den groessten Profit abwirft.”

    ** Sie werden schuldig ob Ihrer äußeren Umstände **

    Wenn äussere Umstände keine andere Wahl zulassen .. war kann dann von SCHULD sprechen und diese zuweisen ? Hat Der Kunde eine Wahl wenn der nur das gewinnträchtigte Produkt kaufen kann, grade wenn es um die biologische Grundversorgung nämlich Nahrung geht, also dort wo Monopolisten inzwischen die Speisung der zigtausend gewinnträchtig unter sich ausmachen ? Das ist nicht ihr Ernst da Schuld zu strapazieren..oder ?

    Leider lässt sich inzwischen dieses Modell in die meissten Lebensbereiche kopieren.. 10-30 Anbieter die aber unter dem Strich nur 5 Grosskonzernen gehören trommeln nach dem Saturn/Mediamarkt Prinzip wechselseitig “wir sind billig”.Oder Rewe der vom teuren Supermarkt bis zum Discounter alle Einkommenschichten abdeckt und doch für alle gemeinsam Einkauft …
    Die wirkliche Frage ist HABEN WIR EINE WIRKLICHE WAHL ..?

    Und die Politik passt dieses Modell auch .. den Farbe und Richtung spielen bein Ergebniss seit Jahren auch keinne Rolle mehr oder ?

    Ride safe ;-)

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  24. Also im Prinzip kann ich dem Artikel nur zustimmen – gerade der Billigwahn macht viel mehr kaputt als der Einzelne vielleicht im ersten Moment zu sparen glaubt. Dass ein hoher Endverbraucherpreis nicht unbedingt etwas darüber sagt, dass das Produkt auch vernünftig hergestellt wurde, ist leider auch wahr – allzuoft muss man bei den “großen” Marken die Reklame- und Marketingkampagnen mitbezahlen bzw noch einen Aufschlag für den “guten Namen”. Letztlich hilft es da schon eher (sofern man das Geld hat), auf FairTrade, Bio etc. zu achten und möglichst die großen Hersteller zu meiden. Gerade in Deutschland gibt man ganz besonders wenig für Lebensmittel aus und will alles maximal billig haben – kein Wunder, dass die Qualität auch in den Keller rauscht.
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/skandale-in-der-landwirtschaft-das-kranke-system-1.1044089?utm_source=sueddeutsche.de

    Die Discounter natürlich sowieso, denn die drehen ja nun an vorderster Front an der Spirale abwärts. Klar müssen viele Menschen aufgrund ihres niedrigen Einkommens in solchen Läden einkaufen, aber es gibt auch viele, die in slche Läden gehen, obwohl sie auch mehr für Nahrung ausgeben könnten und sich damit dem Billigtrend entgegen stellen könnten. ich selbst verdiene wahrlich nicht viel, trotzdem käme es mir nicht in den Sinn, bei Aldi oder Lidl einzukaufen. Lieber weniger für irgendeinen Firlefanz ausgeben, den man ja doch nicht braucht.
    http://konsumpf.de/?p=2353

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  25. Meine Antwort auf die Kommentare ist etwas länger ausgefallen, deshalb habe ich sie an meinen Diskussionsbeitrag im Zementblog angehängt.

    Und, Moritz: Kapitalismuskritik ≠ Schrei nach Kommunismus.

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    • Das habe ich nicht behauptet. Aber wenn im Anschluss nach der Kritik mit Blick auf den Kommunismus gezeigt wird, was der viel, viel, viel besser macht, dann ist genau das.

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  26. @ Jan

    Netter Aufsatz der in Teilen weitausholend ( ausfuehrlicher )das wiedergibt was ich hier schon als Ansatz vorgebracht habe ;-)

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  27. [...] Schuld sind nicht immer nur die anderen (binsenbrenner.de) [...]